Im Glauben unterwegs sein ...

Süditalienische Wallfahrtsorte waren das Ziel von Pilgern hauptsächlich aus den Pfarrverbänden Fürstenzell und Neureichenau, die von den Ortspfarrern Christian Böck und Christian Thiel geistlich begleitet wurden. Loreto, der bedeutendste Marienwallfahrtsort Italiens, war die erste Station, die der Reisebus der Firma Aigner ansteuerte. Nachdem die Pilgergruppe das Haus der Heiligen Familie in Loreto besichtigte, erreichte sie nach langer Fahrt entlang der Adriaküste den weniger bekannten Ort Manoppello, hoch in den Abruzzen gelegen. Das überschaubare Dorf birgt aber einen großen Schatz: in der Kapuzinerkirche wird seit über dreihundert Jahren das Schleierbild Christi aufbewahrt. Es zeigt das "Volto Santo", das Heilige Antlitz Jesu im Moment seiner Auferstehung. Gebannt folgten die Pilger den Ausführungen einer deutschen Ordensschwester, die Pilger in Manoppello betreut. Jüngste Forschungen ergaben, dass das Tuch aus Muschelseide, auch Byssus genannt, gewebt ist. Byssus war das kostbarste und feinste Textil der Antike und wurde auch in Pharaonengräbern gefunden und auch der Hohe Priester im Jerusalemer Tempel trug ein Gewand aus Byssus. Heute wird es kaum noch hergestellt, da die Seidenmuschel des Mittelmeeres nahezu ausgestorben ist und unter strengem Naturschutz steht. Die Fäden der Seidenmuschel sind dünner als Frauenhaar und vollkommen wasserabweisend. Somit findet sich auf dem Schleierbild kein Farbauftrag. Das Gesicht Jesu, das den Betrachter mit weit offenen Augen fortwährend anschaut und dem des Turiner Grabtuches stark ähnelt, kann also nicht gemalt sein. Gezeigt wird das Tuch mit dem "Volto Santo" in einem silbernen Reliquiar über dem Altar der Kirche. Die grö&szuml;te Besonderheit ist, dass das Antlitz Jesu je nach Lichtverhältnissen sein Äußeres verändert und den Betrachter aus jedem Standpunkt tief in die Augen schaut. Feierlich bewegt feierten die Pilger eine Heilige Messe in Manoppello, unter dem Schleierbild Jesu. 2006 besuchte auch Papst Benedikt XVI. die Kirche in Manoppello und betete dort:

"Heiliges Antlitz Christi,
Licht, das die Schatten der Zweifel und Trauer erleuchtet, Leben, das die Macht des Bösen und des Todes für immer gebrochen hat, geheimnisvoller Blick, der nicht aufhört, sich auf die Menschen und Völker zu senken, verborgenes Gesicht in den Eucharistischen Zeichen und in den Blicken unserer Nächsten, mach uns zu Pilgern Gottes in dieser Welt, dürstend nach dem Unendlichen und bereit für die Begegnung am Jüngsten Tag, wenn wir Dich, Herr, von "Angesicht zu Angesicht" (1 Kor. 13,12) sehen und in Ewigkeit in der Herrlichkeit des Himmels schauen dürfen."


Nach diesem beeindruckenden geistlichen Erlebnis erreichten die Pilger das Gebirge des Gargano und den Ort San Giovanni Rotondo. Hier lebte und wirkte der Kapuziner Padre Pio (+ 23.09.1968, heiliggesprochen im Jahre 2000). Dort besuchte die Pilgergruppe das Kloster und die moderne Grabeskirche des Heiligen und betete den Kreuzweg, der auf Wunsch von P. Pio entstand. Das riesige und moderne Krankenhaus neben dem Kloster zeugt von der Schaffenskraft des Kapuziners - es war seine Initiative, dass für die bitterarme Bevölkerung des Gargano eine Klinik errichtet wird zur Linderung der Leiden und bis heute kostenlose Behandlung für arme Menschen anbietet. Das Grab von Padre Pio zieht bis heute jährlich Millionen Pilger und Beter an - natürlich besonders aus Italien.
Auch Bari, die Hauptstadt Apuliens stand auf dem Reiseprogramm der Pilgergruppe. Dort befindet sich das Grab des Heiligen Bischofs Nikolaus aus Myra, das besonders auch von orthodoxen Christen verehrt wird. Überwältigt waren die Pilger vom Städtchen Trani an der Adria, mit seiner wuchtigen Kathedrale, direkt am Meer gelegen. Ein weiterer wichtiger Wallfahrtsort darf beim Reisen durch den Gargano nicht fehlen: der Monte San Angelo. Hier soll der Erzengel Michael in einer tiefen Grotte erschienen sein. In einem Gebet vertrauten sich die Pilger dem Schutz der Engel an. Der Heimweg führe die Wallfahrer nach Lanciano in der Region Abruzzo. Ein eucharistisches Wunder, das sich im 8. Jahrhundert dort ereignet hat, zieht bis heute Pilger an um dort besonders der Gegenwart Jesu in den eucharistischen Gaben von Brot und Wein zu gedenken. Eine Andacht vor dem eucharistischen Wunder in Lanciano beschloss die harmonische Pilgerfahrt, die den Teilnehmern viele Aspekte des Glaubens neu erschloss, geistlich erlebnisreich war und bei vielen noch lange nachwirken wird.

Pfarrer Christian Böck





 



 


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